Roter Faden der Geschichte Teil 1: Vorgeschichte & aufrechter Gang
Der “Rote Faden der Geschichte” bietet eine kurze Einführung in die Entstehung des Menschen und der Klassengesellschaft.
Die Entstehung der Primaten und der Menschenaffen
Die Säugetiere entstanden etwa zur gleichen Zeit wie die Dinosaurier, nämlich vor ca. 240 Millionen Jahren. Im Laufe dieser langen Zeit entstanden immer wieder andere Untergruppen der Säugetiere. Heute gibt es 18 verschiedene solche Untergruppen, wovon eine die Primaten darstellen, zu welchen auch der Mensch gehört. Die Primaten entstanden vor ca. 80 Millionen Jahren, bildeten aber erst vor ca. 50 Millionen Jahren die Merkmale aus, die Primaten von anderen Säugetieren unterschieden. Die frühen Primaten waren Baumbewohner, die gut klettern konnten und Hände und Füsse besassen, die zum Greifen geeignet waren. Zu dieser Zeit (genannt Eozän; Dauer vor 33.9 - 56 Mio. Jahren) breitete sich auch ein neuer Waldtyp aus, der viele Früchte und Blüten trug. Es gab also viel Nahrung und auch die Insekten konnten sich so vermehren und ausbreiten. Zu dieser Zeit unterscheidet man von Feucht- und Trockennasenprimaten. Zu den Trockennasenprimaten gehören auch die modernen Menschen und diese leben zu dieser Zeit bereits in Gruppen, haben ein soziales Leben und kommunizieren miteinander. Der Geruchssinn bildet sich zugunsten des Sehsinns zurück, so sind sie die ersten Primaten, die Farben sehen können. Der grössere Körperbau ermöglicht eine bessere Wärmeregulation und das Überleben in kalten Gegenden. Ihr grösseres Gehirn ermöglicht ausserdem ein verbessertes Lernvermögen.
Kurz zusammengefasst entstanden aus den Trockennasenprimaten Affen, welche in Altwelt- und Neuweltaffen unterteilt wurden. Aus den Altweltaffen entstand die Überfamilie der Menschenartigen und aus diesen dann schliesslich die Menschenaffen vor 15 - 20 Millionen Jahren. Es gibt viele verschiedene Affen- und Menschenaffenarten zu dieser Zeit. Sie ernähren sich wie die Altweltaffen von Früchten und Blättern, doch sie beschaffen ihre Nahrung auf eine andere Weise. Konnten sich die kleineren Altweltaffen noch auf den Zweigen bewegen, so hängen sich die schwereren Menschenaffen an den Ästen oder sitzen auf diesen, was einen besseren Zugang zu Nahrung ermöglicht. Anatomisch ändert sich dadurch Folgendes: Der Schwanz bildet sich zurück und fehlt nun ganz, die Ellbogengelenke werden streckbar, die Arme mehr als 360 Grad drehbar und das Gebiss verändert sich.
Der aufrechte Gang
Der aufrechte Gang entsteht in zwei Stufen: Als der Regenwald anfängt, sich zurückzubilden, wird in den Grenzgebieten der aufrechte Gang auf Kosten der Kletterfähigkeit ausgebildet. Das Fortschreiten der Savanne lässt mit der Zeit die Kletterfähigkeiten schliesslich fast komplett zugunsten des aufrechten Ganges zurückbilden. Es waren also lange Arme (welche selbst eine neue Interaktion mit der Umwelt ermöglichten) und die Fähigkeit, sich überhaupt aufzurichten, welche den aufrechten Gang ermöglichten. Dieser ist dabei nicht nur bei einer Art von Menschenaffen entstanden, sondern entwickelte sich mehrmals und unabhängig voneinander.
Die Verschiebung der Kontinente führt zu neuen Landwegen, so dass sich vor ca. 15 Millionen Jahren die Menschenaffen bis nach Europa ausbreiten können. Diese Vorfahren der Homininen (dt. Menschenaffen) sind vor allem durch eine Fähigkeit gekennzeichnet: Sie können ihren Körper aufrichten. Somit lebten sie nicht hauptsächlich in den Bäumen, ,,sondern waren Vierbeiner, die zwar auch klettern konnten, aber vor allem eines konnten: sich aufrichten, also wahrscheinlich sitzen und auch kurzzeitig stehen’’ (Schrenk 1997 (2019)).
Wie genau der aufrechte Gang entstanden ist, ist nicht bis ins letzte Detail geklärt. Am wahrscheinlichsten gilt heute die sogenannte ,,Ufer-Hypothese’’. Klimatische Veränderungen haben in dieser Hypothese einen wichtigen Beitrag zur Entstehung des aufrechten Ganges geleistet. Das Klima wird vor 7-8 Millionen Jahren trockener und kühler und der Regenwald schrumpft zugunsten von Savannenlandschaften. Diese Veränderungen führen auch zum Verschwinden der Menschenaffen in Europa. Ungefähr gleichzeitig kommt es auch zur Trennlinie von den Menschenaffen bis zu den modernen Menschen[1]. Durch das Schrumpfen des Regenwaldes müssen die Menschenaffen in der Savanne nach neuen Nahrungsmitteln suchen. Man weiss, dass sie während dieser Zeit das Leben in bewaldeten Bereichen am Wasserufer bevorzugten und sich damit auch zunehmend von Schalentieren und Algen ernährten. Die Suche nach dieser Nahrung wurde durch den aufrechten Gang erleichtert. Ausserdem musste wegen der Ausbreitung der Savannen eine Bewegungsform entwickelt werden, die es ermöglicht, längere Zwischengebiete optimal zu durchqueren. Dies half ebenfalls zur Herausbildung des aufrechten Ganges.
Vor 2 Millionen Jahren wurde der aufrechte Gang perfektioniert, als mit dem homo erectus (Frühmenschen) die Beine relativ zur Körpergrösse länger wurden und das Gehen so weniger energieraubend gestaltet werden konnte.
Quellen:
Schrenk, F. (2019). Die Frühzeit des Menschen: Der Weg zum Homo sapiens (6., vollständig überarbeitete Aufl.). C.H.Beck.
[1] Man weiss jedoch nicht, ob sie dort ausgestorben sind oder eventuell zurück in Richtung Afrika gezogen sind, um den klimatischen Bedingungen zu folgen, die für sie optimal waren.






Kommentare